Ist unser bayerischer Wald zu retten?

Auch wenn US-Präsident Trumpf es anders sieht: der Klimawandel ist im vollen Gange! Hitze, Schädlinge und Pilzbefall lassen unsere Wälder leiden. Sind die bayerischen Wälder noch zu retten?  Olaf Schmidt, der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft glaubt nicht an ein großes Waldsterben, aber an vielfältige Auswirkungen und umfangreiche Veränderungen des Waldbildes in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Aber die Folgen des Klimawandels sind  bereits dramatisch. In Unterfranken, dem Hotspot des Klimawandels hat sich die Erde seit Beginn zuverlässiger, flächendeckender Messungen im Jahr 1881 um 0,9 Grad erwärmt. Im gleichen Zeitraum stieg die Temperatur in Unterfranken um zwei Grad! Dazu kommt die rasche Folge besonders heißer und trockener Sommer, wie z.B. 2015 und 2018. Außerdem liegen wir seit etwa 25 Jahren immer über dem Jahresmittel der Temperatur des Referenzzeitraumes 1960 bis 1990. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Situation in Bayerns Wäldern unvermindert zuspitzt Nach Auskunft des Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beträgt das Ausmaß des Schadens bereits im 1. Halbjahr 2019 durch Insekten, Trockenheit, Sturm und Schneebruch rund vier Millionen Festmeter Holz, wobei die Fichte, wie in den Vorjahren, die am meisten betroffene Baumart ist: Bereits im ersten Halbjahr diesen Jahres mussten  drei Millionen Festmeter Fichtenholz geschlagen werden. Hauptsächlich der Borkenkäfer aber auch Sturm- und Schneebruch in den Alpen waren die Gründe.

Noch dramatischer ist die Situation in Unter- und Mittelfranken geworden: Große Eichenflächen wurden durch die Raupen des Schwammspinners kahlgefressen.  Großflächiges Absterben der Kiefern in Mittelfranken (340 000ß Festmeter Holz), Unterfranken (100 000 Festmeter Holz). Mehr als die Hälfte der gemeldeten Schäden sind allein in diesen beiden Regierungsbezirken aufgetreten. Dazu kommen die trockenheitsbedingten Ausfälle an der Buche. Rund 84 000 Festmeter der in Bayern insgesamt betroffenen Buchen entfallen auf Unterfranken.

Um diese Schäden möglichst umfassend und schnell zu dokumentieren bedienten sich die Forstbehörden der Luftrettungsstaffel. In mehreren Flügen wurde der Zustand der befallenen Bäume aus der Luft beurteilt. Die Flüge führten u.a. über die Regierungsbezirke Unter- Mittel- und Oberfranken, teils mit erschreckenden Ergebnissen.  Hat der Wald wirklich noch eine Chance?


Wenn der Wald auch zukünftig seine Aufgaben als Trinkwasserschutz, als Biotop für Tiere, als Erosionsschutz, als Erholungsgebiet der Menschen und als CO2-Wandler weiter erfüllen soll, müssen wir sofort handeln. Für Präsident Olaf Schmidt steht fest, dass nur unsere heimischen Baumarten mit größerer Trockenheits- und Wärmetoleranz  zu halten sein werden. Dazu gehören Feldahorn, Hainbuche, Speierling, Französischer Ahorn, Elsbeere, Mehlbeere oder Spitzahorn. Dazu kommen Salweide, Sandbirke, Zitterpappel und Vogelbeere. Sie können wichtig werden, wenn Gebiete rasch wieder bewaldet werden sollen. Wir setzen unsere Hoffnung aber auch auf südosteuropäische Arten wie Silberlinde, Balkaneiche, Zerreiche, Flaumeiche, Hopfenbuche oder Mannesche.

Für diesen „Wald der Zukunft“ kommt Unterfranken eine wichtige Vorreiterrolle zu. Als wärmste Region Bayerns werden die Folgen des Klimawandels hier zuerst sichtbar und erfordern entsprechende Maßnahmen du Veränderungen, die für andere Regionen Vorbild sein können. Die Luftrettungsstaffel Bayern wird als verlässlicher Partner der Forstbehörden für den Großüberblick zur Verfügung stehen, denn wer Oben ist, sieht mehr!


Zufrieden, aber nicht glücklich. Nach den Erkundungsflügen mit teils erschreckenden Waldschäden, bisher nicht gekannten Ausmaßes, Dr. Hannes Lemme Bayerische Landesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, LRSt-Pilot Charles Herrmann und ein Mitarbeiter aus der LWF.