"Waldbrand aus der Luft entdeckt"



Hettstadt Wenn es für die Rettungskräfte am Boden nicht mehr weitergeht, wissen sie Rat: Luftbeobachter in Flugzeugen koordinieren ihre Kollegen am Boden, suchen nach Waldbränden und Menschen im Gefahrengebiet. Auf dem Flugplatz Hettstadt wurden 24 Anwärter auf diese schwierige Aufgabe vorbereitet. Die Luftrettungsstaffel Bayern und die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg machen das gemeinsam.

Als die Motoren zu brummen anfangen, macht sich ein flaues Gefühl in der Magengrube breit. Für die angehenden Luftbeobachter Franz Ströbl und Alexander Schelberger wird es Ernst. Beide sind eigentlich keine Flieger: Strobl ist Kreisbrandmeister aus Landsberg, sein Partner Schelberger bei der Feuerwehr im oberpfälzischen Schwarzenfeld.

Langsam hoppelt die Maschine über das Rollfeld und steigt dann in den Himmel. Es ist heute bewölkt und stürmisch. Mit rund 160 Stundenkilometer fliegt das Flugzeug nur 300 Meter über dem Boden. Zwischen den beiden Luftbeobachtern herrscht Arbeitsteilung: Während sich Ströbl um die richtige Route kümmert, gibt Schelberger über Funk Position und Vorkommnisse an die Kollegen am Boden weiter.

"Im Regelfall sind die Luftbeobachter mit dem Piloten aber allein", erklärt Lehrgangsleiter Hermann Stieber. Die Anforderungen steigen dann gewaltig: Navigation, Beobachtung und Funk muss der Beobachter allein beherrschen.

Für Strobl und Schelberger wird es inzwischen ernst: "Rauchsäule im Osten", ruft Schelberger. Und tatsächlich verheißen die dunklen Schwaden aus dem Gramschatzer Wald nichts Gutes. Mehrere Minuten lang lässt der Pilot die Maschine in engen Kurven über der Stelle kreisen - für die Mägen der Passagiere eine echte Herausforderung. Mit einem Rauchgenerator simulieren Feuerwehrleute am Boden den Ernstfall.

Während Ströbl beginnt, Bilder vom Unglücksort zu schießen, hat sein Partner Probleme die Koordinaten des Brandes zu bestimmen - die kleinen Fenster und der dauernde Kreisverkehr machen die Aufgabe zur Tortur. Nur mit Hilfe einer Karte und der Orientierung im Gelände soll Schelberger die Koordinaten ermitteln.

"Natürlich haben wir mittlerweile auch GPS", erklärt Lehrgangsleiter Stieber. Doch Technik kann ausfallen und dann müssen die Luftbeobachter die Navigation mit der Karte beherrschen. Schließlich gelingt es auch Schelberg die Position zu ermitteln und an die Übungsleitung funken. Für die beiden angehenden Luftbeobachter ist die Übung damit gemeistert, die Schulung aber noch lange nicht.

"Die Grundausbildung dauert ein ganze Woche", so der Chef der Feuerwehrschule Axel Häger. Auf dem Lehrplan stünden unter anderem Wetterkunde, Luftrecht und Flugzeugtechnik. Geübt wird auch mit einem Hubschrauber, den die Polizeihubschrauberstaffel aus Roth zwei Tage zur Verfügung stellt. "Am Ende folgt dann eine schriftliche und praktische Prüfung", erklärt Häger.

Möglich wird Luftüberwachung durch die Luftrettungsstaffel Bayern. Ihr gehören Vereine und Privatpersonen an, die sich und ihre Flugzeuge zur Verfügung stellen. "Im vergangenen Jahr haben wir bayernweit über 1500 Einsatzstunden geflogen, ein Drittel aller Waldbrände wurden von uns entdeckt", berichtet Karl Herrmann, Präsident der Luftrettungsstaffel. Dabei sei die Arbeit meist ehrenamtlich, entlohnt würden lediglich die geflogenen Einsätze.

                                                                                                                                  Text: Göran Gehlen, Main-Post 20.07.2004