JHV 2015: Kampf um Erhalt von Stützpunkten geht weiter!

Der oberbayerische Flugbereitschaftsleiter Jürgen Wehrens hieß die Teilnehmer der LRSt-Jahreshauptversammlung am Standort Fürstenfeldbruck herzlich willkommen. Aus gutem Grund fand diese in FFB statt, da durch politische Entscheidungen des Verteidigungsministeriums, der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck von der Schließung betroffen ist. Fürstenfeldbruck, die Wiege der Deutschen Luftwaffe, war einer der größten Militärflugplätze der alten Bundesrepublik Deutschland. Die Sportflieger sind hier derzeit der letzte fliegende Verband und es bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft ein Teil des Fliegerhorstes für die Ausübung von Flugsport und Durchführung von Überwachungsflügen genutzt werden kann.
So fand am Versammlungsmorgen eine Gesprächsrunde statt, bei der mit Politikern und Behördenvertretern dieses Thema angesprochen wurde, verbunden mit der Hoffnung, dass dies Auftakt einer öffentlichen Diskussion sein möge, mit dem Ziel Flugmöglichkeiten in „Fürsty“ zu erhalten.
FFB ist seit Bestehen der LRSt-Bayern ein Stützpunkt für unsere ehrenamtliche Luftbeobachtung und sollte auch nach dem Ende der militärischen Nutzung als Stützpunkt der Luftrettungsstaffel bestehen bleiben können.

Anerkennende Grußworte
Der stellvertretende Landrat Johann Wieser überbrachte Grüße von Landrat Thomas Karmasin. Er betonte, dass die ehrenamtlichen Einsatzpiloten und Luftbeobachter einen unverzichtbaren Beitrag zum Brand- und Katastrophenschutz leisten und Fürstenfeldbruck stolz sei, einen  LRSt-Stützpunkt im Landkreis zu besitzen. Er hoffe, nach der Konversion, eine für alle Seiten zufrieden stellende Lösung zu finden.

Peter Hallermeier, Staatsministerium des Innen, dankte der Luftrettungsstaffel, die mit ihren ehrenamtlichen Piloten und den LBO dafür sorgt, dass Feuerstellen frühzeitig geortet und Einsatzkräfte zeitnah an das Geschehen herangeführt werden können, um Schlimmeres zu vermeiden. Bayern kann sich auf ein funktionierendes System der Luftbeobachtung stützen, das Innenministerium, Landwirtschaftsministerium und die Forstbehören gerne finanziell unterstützen, denn die Einsatzkosten stehen in keinem Verhältnis zu einem möglichen Großschaden. In der bundesweiten Presseberichterstattung war und ist die Luftrettungsstaffel ein exzellenter Botschafter Bayerns.

Hermann Stieber überbrachte die besten Wünsche von Dr. Demke, dem Leiter der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg. Seit 15 Jahren sei er aktiv als Lehrgangsleiter an der LBO-Ausbildung beteiligt. Er könne daher feststellen, dass in den vergangenen Jahren erfolgreiche Lehrgänge gehalten und die notwendigen Inhalte stets auf den neuesten Stand gebracht wurden.

Hubert Stefan, Kreisbrandrat, übermittelte die herzlichen Grüße der  Führungskräfte und Feuerwehren des Landkreises FFB. Es seien 52 Feuerwehren und 200 Aktive die für den Brandschutz hier tätig sind. Er lobte die gute Zusammenarbeit der Feuerwehrkräfte mit der Luftrettungsstaffel und sicherte weiterhin volle Unterstützung zu.

Peter Rzytki, Schatzmeister des Luftsportverbandes Bayern (LVB),  betonte die gegenseitige Wertschätzung beider Organisationen. Für ihn sei die Luftrettungsstaffel durchaus auch ein Aushängeschild für den LVB und er hoffe, dass es die Staffel noch lange geben möge.
 

Überzeugende Einsatzerfolge
Präsident Karl Herrmann konnte der Jahreshauptversammlung für das  vergangene, unfallfreie Jahr höchst beachtenswerte Erfolgszahlen vorlegen:
2014 war aufgrund des milden und niederschlagsarmen Winters eine, im Vergleich mit den  Einsatzzahlen der Vorjahre, überdurchschnittlich intensive Überwachungssaison. Dies war vor allem dem trockenen, warmen Frühjahr geschuldet, welchem dann ein Sommer mit regelmäßigen Niederschlagsphasen folgte. Es wurden 365 angeordnete Einsatzflüge mit einer Gesamtflugzeit von 534 Stunden durchgeführt. Die Zahl der unentgeltlichen Luftbeobachtungen lag bei 6558 Flügen mit einer Dauer von 4340 Stunden.

Folgende Ereignisse wurden dokumentiert:
201 Rauchentwicklungen gesichtet, angeflogen und kontrolliert.
Dabei wurden 11 Waldbrände, 37 Flächenbrände, 6 unbeaufsichtigte Feuerstellen,   3 Hausbrände, 4 Kfz-Brände  und 1 Heckenbrand beobachtet, lokalisiert und gemeldet.

Weitere Leistungen der Staffel:
1 Personensuche, 79 Verkehrsinformationen/Unfälle, 8 Dokumentationen,
1 Hochwasserentwicklung und Schadenfeststellung, 1 Erfassung von Wildschweinschäden, 29 Erfassungen von Wald- und Baumschädlingen.
Bereits ab April war die Luftrettungsstaffel deshalb mit Berichten über die Waldbrandbeobachtung überregional in allen Medien präsent. Vor Ort wurde von den Stützpunkten der Staffel hervorragende Pressearbeit geleistet, wie die zahlreichen Zeitungs-, Rundfunk- und Fernsehberichte belegen.
Die momentan anhaltende Trockenheit verspricht einen ähnlichen Verlauf und gesteigertes Medieninteresse, welches wir als Luftrettungsstaffel gezielt für unsere Anliegen nutzen sollten.

Der Referent Einsatz, Karl Herrmann jr. ergänzte die Ausführungen mit den aktuellen Zahlen (Stand: 24.April 2015):
30 angeordnete Flüge mit insgesamt 35 Stunden Dauer.
Dabei wurden 60 Brandstellen kontrolliert und die Ausbreitung  zweier Waldbrände verhindert. 4 Flächenbrände, 2 Gebäudebrände und 1 unbeaufsichtigtes Feuer wurden entdeckt, lokalisiert und gemeldet.

Pressereferent Alfred Neubert wies darauf hin, dass  neben den angeordneten Überwachungsflügen, gerade auch die freiwilligen Überwachungsflüge, welche einen nicht unerheblichen Anteil an den entdeckten Wald- und Flächenbränden ausmachen und für die es keinerlei Kostenersatz gebe, kaum Erwähnung fänden. Auch die Tatsache, dass die komplett vorgehaltene Infrastruktur von 155 Flächenflugzeugen, 5 Hubschraubern und 301 Einsatzpilotinnen und –piloten für den bayerischen Staat keinerlei Initial- und Unterhaltskosten verursacht, komme in den Berichterstattungen häufig  zu kurz. Hier könnten wir durchaus mehr „Selbstbewusstsein“ zeigen, da in anderen Bundesländern hierfür Investitionen in Millionenhöhe und Unterhaltskosten im mittleren sechsstelligen Bereich anfallen würden.

Veränderungen in den Stützpunktvereinen
Leider  musste Präsident Herrmann  den Rückgang der von den Piloten freiwillig durchgeführten Überwachungsflüge feststellen. Diese Entwicklung sei Folge einer strukturelle Veränderung in den Vereinen: Buchungen der Flugzeuge erfolgen über das Internet. Man kommt zum Platz, fliegt fort, kommt zurück und stellt die Maschine ab. Das war´s! Der persönliche Kontakt zu Fliegerkameraden und  das Vereinsleben treten in den Hintergrund. Die LRSt ist aber auf ein gewachsenes, aktives und funktionierendes Vereinsleben angewiesen, um Nachwuchspersonal gewinnen zu können. Erschwerend komme die „Europäisierung“ der Fliegerei mit ihren gesetzlichen Forderungen und den daraus folgenden Belastungen auf die Vereine zu und bringe weitere finanzielle und personelle Probleme mit sich. Dadurch können Stützpunkte schnell in Existenzschwierigkeiten geraten. Er bat alle Luftsportfreunde und -unterstützer mitzuhelfen, diesem Strukturwandel entgegenzuwirken.

Erfolgreiche Zusammenarbeit
Die institutionelle und für die LRSt notwendige finanzielle Förderung durch die  Ministerien ist dankenswerter Weise gesichert. Die Zusammenarbeit ist von gegenseitigem Wohlwollen getragen und auf allen Ebenen sehr positiv.
Bei den Luftämtern geht die Bereitschaft, Verantwortung bei Entscheidungen auf ihrer Ebene zu übernehmen zurück. Die europäische Gesetzgebung und die damit verbundene Auflagen haben großen Anteil daran. Trotz allem wird versucht, die entstehenden Probleme gemeinsam mit der Luftrettungsstaffel zu bewältigen.
Präsident Herrmann sprach besonderen Dank an Hermann Stieber, dem Vertreter der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg aus, für die hervorragende und unkomplizierte Unterstützung bei der Luftbeobachterausbildung  und der Fortbildung des LRSt-Personals.
Vertieft wurde der Kontakt mit dem THW und heuer wird erstmals wieder ein Vertreter des THW am LBO-Grundausbildungslehrgang in Würzburg teilnehmen.
Eine Würdigung  der Luftrettungsstaffelarbeit sieht Präsident Herrmann u.a. auch in den hohen Auszeichnungen für deren Vertreter Dr. Gerfertz und Präsident Herrmann. Auch durch Innenstaatssekretär Gerhard Eck erhält die Staffel alle notwendige Unterstützung.

Vorbildliche Ausbild- und Fortbildung
Ausbildungsleiter Steffen Gerschner konnte berichten, dass auf nahezu allen Stützpunkten LBO-Standortausbildung durchgeführt wurden. Im Juli 2014 fand ein LBO-Grundausbildungslehrgang an der FW-Schule Würzburg statt. Im Einsatz waren 4 Flächenflugzeuge und 1 Hubschrauber mit 87 Starts mit 43 Stunden Flugzeit. Ein Wochenendlehrgang für Stützpunktleiter, deren Stellvertreter und zukünftige Stützpunktleiter konnte an der Staatl. Feuerwehr-Schule Würzburg (ohne fliegerische Aktivitäten) erfolgreich durchgeführt werden.  Gerschner bedankte sich für die geleistete Arbeit in den Flugbereitschaften und Stützpunkten sowie bei Lehrer- und Pilotenteam der Staffel für die LBO-Ausbildung. Er wünschte für das Jahr 2015 eine unfallfreie Flugsaison. Der nächste Lehrgang für LRSt-Personal soll 2016 angeboten werden.

 Lob der  Revisoren
Schatzmeister Dr. Gerfertz trug detailliert den Finanzbericht 2014 und den Haushaltsplan 2015 vor, der sich ausgeglichen darstellt. Revisor Dieter Naber, der zusammen mit Bernd Große die Kassenprüfung vorgenommen hatte dankte dem Schatzmeister für seine hervorragende Arbeit und schlug der Versammlung seine Entlastung und die des Präsidiums vor. Diesem Vorschlag wurde einstimmig zugestimmt.

Hauptversammlung 2016 in Giebelstadt
Die Flugbereitschaft Unterfranken erklärte sich bereit, die Ausrichtung der Jahreshauptversammlung 2016 in Giebelstadt zu übernehmen. Diese Einladung nahm die Hauptversammlung ohne Gegenstimme an.

 

Ein Blick in die erste Reihe: Flugbereitschaftsleiter Jürgen Wehrens, LVB-Schatzmeister Peter Rzytki, Stellvertr. Landrat Johann Wieser, Kreisbrandrat Hubert Stefan, LRSt-Ausbildungsleiter Steffen Gerschner, Peter Hallermeier, Innenministerium und Hermann Stieber, Staatliche Feuerwehrschule Würzburg.