Jahreshauptversammlung 2013: Nicht ohne Sorgen  in die Zukunft

Karlheinz  Ruhland, der Leiter des Luftbeobachtungsstützpunktes Erding, hatte alles hervorragend gerichtet und ein weiß-blauer Himmel machte den Besuch der Versammlung sogar mit dem Flugzeug möglich. So konnte LRSt-Präsident Karl Herrmann die Ehrengäste Philipp Wolfrum, Innenministerium, Regierungsdirektor Karl Traunspurger Reg. v Oberbayern, die Kreisbrandräte Gerhard Bullinger und Willi Vogl, Regierungshauptsekretärin Sigrid Leopold, LRA Erding, Lehrgruppenleiter Hermann Stieber, Staatliche Feuerwehrschule Würzburg, Herwart Meyer, Geschäftsführer des LVB und alle Fliegerkameraden pünktlich zur Hauptversammlung im Hotel Mayr-Wirt begrüßen und die Hauptversammlung eröffnen.


Kreisbrandrat Gerhard Bullinger (links) übermittelte im Auftrag des Vorsitzenden des Landes-Feuerwehrbands Bayern, Hubert Weinzierl, die besten Wünsche, lobte die hervorragende Zusammenarbeit der Staffel als unverzichtbarer Partner der Feuerwehren bei der Entdeckung und Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden.
„Die Regierung von Oberbayern schätzt die ehrenamtliche Tätigkeit der Staffelmitglieder als außerordentlich wichtiger Bestandteil des vorbeugenden Katastrophenschutzes. Auch der Luftrettungsstaffel ist es zu verdanken, dass Oberbayern seit mehr als 45 Jahren von verheerenden Waldbränden verschont geblieben ist“ lobte Traunspurger die Staffelarbeit im Auftrag des Regierungspräsidenten Christoph Hillenbrand in seinem Grußwort. Der besondere Dank des Regierungspräsidenten,  galt dem scheidenden Stützpunktleiter Fürstenfeldbruck, Walter Pausch, der nach 24 Jahren Führungstätigkeit, sein Amt im jüngere Hände legte, für dessen verdienstvollen Wirken im Dienste des Katastrophenschutzes. Walter Pausch, ausgezeichnet mit der Silbernen Verdienstmedaille der Staffel, war am Vortag würdevoll verabschiedet worden.


Nach dem Totengedenken  wurde im Rahmen der Staffelehrungen Sigrid Leopold mit dem LRSt-Verdienstmedaille in Bronze ausgezeichnet. Am LRA Erding seit 1992 für den Katastrophenschutz zuständig, hat sie selbst die LBO-Ausbildung auf allen Stufen erfolgreich bewältigt und,  wann immer sie benötigt wurde, für Überwachungsflüge bereit gestanden. Frau Leopold engagierte sich, weit über das übliche Maß hinaus, bei der Planung und Durchführung von LBO-Lehrgängen der Stufe II. Ebenfalls mit der Verdienstmedaille in Bronze wurde der ehemalige Stützpunktleiter Königsdorf, Johannes Gahr, geehrt. 5 Jahre hat er den schwierigen Stützpunkt mit seinen sechs Mitgliedsvereinen erfolgreich geführt und nun sein Amt in jüngere Hände gelegt. Die Staffel dankt ihm für sein vorbildliches Engagement.
Der Präsident begann seinen Bericht mit einem großen „Dankeschön“ an alle Einsatzpiloten,  Stützpunkt- und Flugbereitschaftsleiter und die Kameraden des Präsidiums. Ein „Gott sei Dank“ auch für das unfallfreie 45. Einsatzjahr. Die LRSt sei nicht nur in der Öffentlichkeit sondern auch bei den  politisch Verantwortlichen anerkannt. Er dankte allen Verantwortlichen für die ideelle und finanzielle Unterstützung,  insbesondere dem Landwirtschafts- und dem Innenministerium für die Übernahme der Einsatzkosten.
Im Auftrag der Staatskanzlei und des Innenministeriums  teilte er mit, dass 2013 zum 45 jährigen Bestehen der Staffel, als besondere Anerkennung für ihre Leistungen im Katastrophenschutz, ein Staatsempfang in München ausgerichtet werden soll.
Die Staffel wird durch gute Pressearbeit auf Flugbereitschafts- und Stützpunktebene hervorragend dargestellt, vor allem aber gestützt durch unseren Pressereferenten Alfred Neubert, der hier an den entscheidenden Schaltstellen sitzt um landesweite Pressedienste zu platzieren.

Öffentlichkeitswirksam war für die Luftrettungsstaffel der Fotowettbewerb „Wir sind Ehrenamt“. Kamerad Wolfgang Alpers erhielt als Preisträger von Innenminister Herrmann eine Einladung zu den zentralen Feierlichkeiten anlässlich der Wiedervereinigung am 3. Oktober in München und zum anschließenden Empfang durch Bundespräsident Joachim Gauck.
Die Vizepräsidenten Dr. Friedrich Gerfertz und Adolf Nüßlein vertraten die Staffel beim Empfang des Ministerpräsidenten in Oberfranken. Bei den ersten Blaulichtempfängen des Innenministers wurde die LRSt  durch die jeweiligen Flugbereitschaftsleiter und deren „ Mannschaft“ vertreten. Gleiche Empfänge finden in den nächsten Monaten in den noch fehlenden Regierungsbezirken statt. Auch zu diesen werden die Vertreter der Luftrettungsstaffel herzlich eingeladen.

Staatliche Ehrungen
Seit Januar  2013 gibt es  ein  neues Ehrungsgesetz das drei Formen der staatlichen Ehrung für Organisationen im Katastrophenschutz vorsieht. Für 25jährige und für 40jährige Aktivität und für besondere herausragende Aktivitäten. Die Luftrettungsstaffel und weitere kleinere K-Organisationen sind davon ausgenommen. Nur für die diese Organisation besteht allerdings die Möglichkeit, ihre Mitglieder bereits nach 15 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit für die Ehrenamtsmedaille des Ministerpräsidenten vorzuschlagen.

Digitalfunk
Das Innenministerium hat die Luftbeobachter bei der Ausstattung mit Handgeräten berücksichtigt. Die zentrale Beschaffung läuft über das BRK. Die Verteilung soll über die Regierungen und/oder Landratsämter erfolgen. Jeder Stützpunkt erhält sein digitales Funkgerät. Für das Funktionieren aus der Luft sind Luftzellen (= Sendemasten, deren Hauptabstrahlrichtung nach oben geht) erforderlich. Leider gibt es diese noch nicht flächendeckend. Für die Luftfahrt zugelassene Außenantennen für unsere Flugzeuge sind noch nicht lieferbar (bisher nur bei Polizei-  und ADAC-Hubschrauber  ab Werk vorinstalliert). Sinnvoll wäre eine Kombi-Antenne mit Umschaltbox von Digitalfunk auf Analogfunk. Alle Möglichkeiten werden derzeit geprüft.


Berichte der Referenten, des Schatzmeisters und der Revisoren
Die Berichte der Referenten Personal Johann Weinholzner und Presse Alfred Neubert  wurden mit großer Anerkennung der Versammlung zur Kenntnis genommen, ebenso der Bericht des Referatsleiters  Einsatz Karl Herrmann jr. dessen Zahlen die erbrachten Leistungen der Staffel im zurückliegenden Jahr widerspiegeln:

Die angeordneten Einsätze lagen mit 132 Stunden rund 60% unter den Einsatzstunden des Vorjahres.
6 Regierungsbezirke setzten ihre LBO im „Marsch“ Keine Einsatzflüge erfolgten in Ober- und Niederbayern.
Die 312 Einsatzflugzeugführer/-innen der Staffel haben mit ihren 156 Flächenflugzeugen und 5 Hubschraubern insgesamt 7.945 Flüge mit einer Flugzeit von 6.041 Stunden zur Unterstützung der Katastrophenschutzbehörden und der Forstverwaltung erbracht.

1. Unentgeltliche Luftbeobachtung:
7.603
Flüge mit einer Gesamtflugzeit von: 5.739 Stunden.

2. Angeordnete Luftbeobachtung:
132
Einsätze mit einer Gesamtflugzeit von: 172 Stunden.

Bei den Flügen zu 1. und 2. wurden folgende Ereignisse dokumentiert:
52 Rauchentwicklungen gesichtet, angeflogen und kontrolliert, 6 Waldbrände festgestellt, lokalisiert und gemeldet, 9 Flächenbrände beobachtet, lokalisiert und gemeldet, 3 unbeaufsichtigte Feuerstellen lokalisiert und gemeldet, 14 Verkehrsinformationen/Unfälle gemeldet, 15 Dokumentationen Wald- und Baumschädlinge erstellt  und 1 Suche nach einem Luftsportgerät durchgeführt.

Ergänzt wurde der Bericht durch die Ausführungen des Referatsleiter Ausbildung Steffen Gerschner über folgende Aktivitäten: Juni 2012 – StPL-Lehrgang – 22 Teilnehmer. Im Einsatz waren - 3 Flugzeuge – 1 Hubschrauber - 48 Starts mit  21,26 Stdn. Flugzeit wurden durchgeführt.
Juli 2012: Grundausbildungslehrgang für Luftbeobachter – 24 Teilnehmer. Im Einsatz waren –
4 Flugzeuge – 1 Hubschrauber.  90 Starts mit 42,05 Std. Flugzeit wurden durchgeführt.
Dank sagte er für die geleistete Arbeit in den Flugbereitschaften und auf den Stützpunkten, dem Lehrer- und Pilotenteam der Staffel für die LBO-Ausbildung und StPL-Fortbildung.
Besonderer Dank der Staatl. Feuerwehrschule Würzburg und Lehrgruppenleiter Hermann Stieber für alle Unterstützung.
Insgesamt wurden  210 Flüge mit 129,36 Stunden .Ausbildungszeit durchgeführt.

Vorschau für 2013:
25.04.13 LRSt-Großübung in Giebelstadt (es werden 8 Flächenflugzeuge und 5 Hubschrauber zum Einsatz kommen – Schirmherr ist Staatssekretär Gerhard Eck)
Vom 1.07. mit 5.07.2013 findet ein LBO-Fortbildungslehrgang Stufe III in der FW-Schule Würzburg statt.
In Planung: 24.06. mit 25.06.2013 Weiterbildung für Führungspersonal der LRSt (FBL/STPL oder Stellvertreter)

LRSt-Haushalt
Mit großer Anerkennung wurden anschließend der Kassenbericht 2012 und der Haushaltsvoranschlag 2013 des Schatzmeisters Dr. Friedrich Gerfertz zur Kenntnis genommen und einstimmig verabschiedet. Nachdem Revisor Dieter Naber den Bericht der Revisoren vorgetragen und den Schatzmeister größtes Lob ausgesprochen hatte, war es nur eine Formsache, dass die Versammlung der Vorstandschaft einstimmig „Entlastung“ erteilte und gerne dem Vorschlag Nabers zustimmte, die nächste Jahreshauptversammlung in Eschenbach abzuhalten.

Sport-Audit-Luftsport


Denise Kluge, stellte der Versammlung das vom DAeC  ins Leben gerufene Projekt vor. Er möchte damit den Vereinen Hilfestellung bieten, um Standards im Rahmen des Umweltschutzes zu erfüllen. Basic-Checks beinhalten die Themen:  Dienst an der Natur – Schutz der Natur (Abfall  - Boden und Fläche – Technik – Wasser – Sicherheit – Erste Hilfe – Rechtliche Sicherheit  - uvm.)
Der Präsident dankte für die interessanten Ausführungen und bat die STPL, ihre Vereinsvorstände für die angesprochenen Probleme  zu sensibilisieren. Wenn es um Umweltschutzfragen geht, steht jeder Vereinsvorstand in der Pflicht.

Zukunftssorgen
Mit großer Sorge blickten die Mitglieder der Luftrettungsstaffel auf ihrer Jahreshauptversammlung in die Zukunft. Während zwei Stützpunkten, Fürstenfeldbruck und Erding, mittelfristig die Schließung droht, sind alle Stützpunktvereine vom EASA Part FCL elementar betroffen: Die Vereine haben derzeit nahezu keine Möglichkeit mehr, Rund- oder Schnupperflüge gegen Kostenbeteiligung anzubieten. Dies erfordert nach derzeitiger Gesetzeslage sowohl ein Luftfahrtunternehmen und Berufspiloten! Folge wird sein, dass viele freiwillige Überwachungsflüge, die als Rundflüge über schützenswertem Terrain erfolgten, zukünftig ersatzlos wegfallen. Erschwerend für die Staffel kommt hinzu, dass junge Piloten, die gerne für Vereinsrundflüge eingesetzt wurden und so kostengünstig Flugerfahrung sammeln konnten, dieser Möglichkeit beraubt sind. Es wird also noch länger dauern, bis sie mit entsprechender Stundenzahl, als Einsatzpiloten von der Staffel ausgewählt werden können. Durch die zurückgehende Flugstundenzahl wird die Auslastung der Vereinsmaschinen sinken und damit mittelfristig auch der Bestand an Einsatzflugzeugen, weil sich die Vereine von nicht ausgelasteten Maschinen trennen und verstärkt auf Ultraleichtflugzeuge zurückgreifen werden. Insgesamt keine guten Aussichten für die Luftrettungsstaffel, obwohl ihre Einsatzflüge durch den Part FCL nicht betroffen sind, da es sich bei diesen Flügen nicht um Passagierflüge handelt. Die Luftämter hatten herausgestellt, dass es sich bei den mit fliegenden Luftbeobachtern um Mitglieder der Besatzung handelt und bei Einsatzflügen keinerlei Rundflugcharakter gegeben ist, sondern es sich um von der Katastrophenschutzbehörde angeordnete Flüge,  im hoheitlichem Auftrag,  handelt. Präsident Herrmann bedankte sich in diesem Zusammenhang besonders bei den Leitern der beiden Luftämter, Uwe Büchner und Wolfgang Brunner, für deren Unterstützung.