Für neue Aufgaben bestens gerüstet – JHV in Rothenburg
Luftrettungsstaffel Bayern e.V. auch bei Vogelgrippe gefordert


Im malerischen Rothenburg ob der Tauber fand am 01.04.2006 die diesjährige Jahreshauptversammlung der Luftrettungstaffel Bayern e.V. statt.
Bei einem Empfang durch den neuen Oberbürgermeister Walter Hartl (Bildmitte mit seiner Gattin) und seinem Vorgänger, Herbert Hachtl (links) im historischen Trauungszimmer, wurde vom legendären Kellermeister und seinem Töchterchen der „Humpen“ kredenzt, welcher mit einem edlen Tropfen aus heimischen Anbau gefüllt war.



Zum Dank für die Gastfreundschaft überreichte Präsident Herrmann einen Bildkalender der LRSt an Oberbürgermeister Hachtl. Stützpunktleiter Halm hatte für beide Oberbürgermeister je eine Krawatte der LRSt als Präsent mitgebracht.


Bei der JHV im Hotel „Zur Glocke“ galt ein besonderer Gruß von Präsident Karl Herrmann dem Ehrenpräsidenten Reiner Vorholz, den aktiven Ehrenmitgliedern Johann Weinholzner und Schatzmeister Dr. Fritz Gerfertz, Stützpunktleiterin Marianne Kutter aus Kempten und Schriftführerin Gerlinde Stöhr. Für die kurzfristige Ausrichtung der JHV in Rothenburg bedankte sich der Präsident ganz besonders bei FBL Fritz Frenzel und StPL Frank Werner Halm. Ursprünglich war die JHV in Eichstätt geplant, musste dort aber aus Termingründen abgesagt werden.

Ehrungen für verdiente Mitglieder der Staffel
Nach den Formalien zur Abwicklung und Einberufung der JHV hatte Präsident Karl Herrmann die traurige Pflicht, zum Gedenken an die verstorbenen Kameraden aufzurufen. Stellvertretend für alle verstorbenen Mitglieder wurde dem Staffelkameraden Erwin Schießl  gedacht. Er war maßgeblich am Aufbau der Staffel beteiligt und ein Mann der ersten Stunde.


Von links: Vizepräsident Adolf Nüsslein, RL und FBL Christian Simbeck, Präsident Karl Herrmann, FBL Werner Mühlhäuser, Vizepräsident und Schatzmeister Dr. Fritz Gerfertz


Mit der Ehrennadel in Silber wurde anschließend Christian Simbeck für seine Verdienste ausgezeichnet. Präsident Herrmann betonte, dass sich Kamerad Simbeck in kürzester Zeit in der Staffel eingearbeitet und Verantwortung übernommen habe. Als Präsidiumsmitglied ist er im Referat Ausbildung sowohl für die Luftbeobachter (LBO), als auch für die Einsatzpiloten und deren Aus- und Weiterbildung verantwortlich. Zusätzlich leitet er noch die Flugbereitschaft  Niederbayern und bringt sich auch verstärkt beim Thema Waldschutz in die Arbeit der LRSt ein.


Eine besondere Auszeichnung wurde Flugbereitschaftsleiter Werner Mühlhäuser zuteil, welcher  mit der Verdienstmedaille in Silber geehrt wurde. In seiner Laudatio unterstrich der Präsident die seit drei Jahrzehnten währende Mitgliedschaft in der Staffel, zunächst als Einsatzpilot, später als Stützpunktleiter und als Leiter der Flugbereitschaft Schwaben. Sowohl bei den
Jahrhunderthochwassern als auch im Hitzerekordsommer 2003 war die FB Schwaben einsatzmäßig stark gefordert und hat sich vorbildlich bewährt. Als Anerkennung für die erbrachten Leistungen war die Flugbereitschaft auch zum Empfang der Katastrophenhelfer beim bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Stoiber in die Münchner Residenz geladen. „Dieses nachhaltige, ehrenamtliche Engagement verdient Respekt,  Anerkennung und Dank und dies soll mit dieser Ehrung zum Ausdruck gebracht werden“, so Karl Herrmann.

LRSt genießt hohen Stellenwert beim Bayerischen Innenministerium
Beim Bericht des Präsidenten war der unfallfreie Abschluss der Saison und die - trotz insgesamt geringer Waldbrandgefahr – beachtenswerte Einsatzstatistik das erste Thema. Vom Innenministerium übermittelte Herrmann den Dank an die Einsatzpiloten und Funktionäre der LRSt.  Eine weitere erfreuliche Mitteilung war, dass die Zuwendungen auch nach der teilweisen Privatisierung der Staatsforstverwaltung im bisherigen Umfang an die LRSt gesichert sind.
Leider konnte vom Ministerium in diesem Jahr niemand an der JHV teilnehmen, da die Vorbereitungen zur Fußball-WM und zum Papst-Besuch die Personalressourcen voll beanspruchen.
In diesem Zusammenhang wurde als Nachfolger von Herrn Schutz als Ansprechpartner im Innenministerium, Dr. Christian Ebersperger bekannt gegeben, welcher sich künftig auch aktiv an Veranstaltungen der LRSt beteiligen will. Gelegenheit hierzu wir es laut Präsident Karl Herrmann in diesem Jahr reichlich geben..

Neue Aufgabe: Vogelgrippe
Auch das Thema Vogelgrippe hat die LRSt schon auf den Plan gerufen. Herrmann berichtete von Anforderungen von verschiedenen Landratsämtern beim BMI, welche dann an die LRSt verwiesen wurden. In diesem Zusammenhang hat die FB Unterfranken einen ersten Erprobungsflug durchgeführt, beim welchem neben dem Luftbeobachter auch ein Veterinär an Bord war. Einsatzpilot Kurt Seger berichtete über seine Erfahrungen und empfahl anstatt einer Digitalkamera zur Dokumentation besser eine digitale Videokamera zu verwenden, da eine bessere Zuordnung des Flugverlaufs und Aufzeichnung eines Kommentars zu den Beobachtungen möglich sind. Auch die FB Mittelfranken – als größtes Vogelrückzugsgebiet  Nordbayerns - hat hier Erprobungsflüge durchgeführt und FBL Frenzel berichtete ausführlich über die empfohlene Vorgehensweise.
Weiteres Thema beim Bericht des Präsidenten war die Situation beim LVB, welcher derzeit vom zurückgetretenen Vorstand kommissarisch geführt wird. Geschäftsführer Meyer, der zur JHV geladen war, ließ sich entschuldigen und bat Grüße zu übermitteln.
Beim Stützpunkt Weiden ist mit der Übernahme durch den OMC (Oberpfälzer Motorflieger Club e.V.), die volle Einsatzfähigkeit und eine harmonische Zusammenarbeit wieder hergestellt. Karl Herrmann dankte in diesem Zusammenhang  FBL Dieter Naber und StPL Raimund Rodler für die tatkräftige Unterstützung.
Mit dem Dank an alle Fliegerkameraden und das Präsidium für die gute und reibungslose Zusammenarbeit, schloss Präsident Herrmann seine Ausführungen und stellte diese zur Diskussion.

Personal: Nachwuchs gefragt
Eine eindrucksvolle Auswertung der Alterstruktur legte Referatsleiter Personal, Johann Weinholzer, den Anwesenden vor. So sind nur 12% der Mitglieder jünger als 30 Jahre und auch nur 36 % der Mitglieder haben weniger als 40 Lenze „auf dem Buckel“. Dies spiegelt im Allgemeinen auch den Trend der jungen Generation, weg vom Ehrenamt wieder, der auch bei anderen Organisationen zu spüren ist. Auf der anderen Seite sind die Anforderungen an die Einsatzflugzeugführer berechtigterweise sehr hoch und kaum ein junger Pilot, welcher sein Hobby selbst finanzieren muss, kann die geforderten Flugstunden nachweisen. Die Nachwuchsarbeit gestaltet sich insofern besonders schwierig.
Prioritäten im Referat Personal waren in 2005 die Bereinigung und Aktualisierung der Personaldatei, welche Kamerad Weinholzer im Jahr 2004 übernommen hat, die Formalitäten zur Ausweisverlängerung und die Gültigkeit der Ausweise.

Ausbildung: 26 neue Luftbeobachter geschult, Waldschutz im Vordergrund
Ausbildungsleiter Christian Simbeck wartete mit beeindruckendem Zahlenmaterial auf. Bei einem LBO-Lehrgang an der staatlichen Feuerwehrschule in Würzburg wurden in einem Grundlehrgang 26 neue Luftbeobachter ausgebildet.
Bei überörtlichen Standortausbildungen (Stufe II – Lehrgänge) wurden bei 237 Flügen 130 Einsatzstunden geflogen. Nur in Unterfranken war diese Fortbildung aus Wettergründen nicht möglich.
Beim Fortbildungslehrgang in Geretsried waren 22 Teilnehmer aus 17 Stützpunkten vertreten. Hauptthema war Einsatz der LRSt im Bereich Waldschutz. Das Thema Waldschäden wird die LRSt auch dieses Jahr zunehmend beschäftigen, da durch Schnee- und Windbrüche sehr viel Totholzmaterial als Brutraum von Waldschädlingen entstanden ist. Als Forstfachmann konnte Kamerad Simbeck den Lehrgangsteilnehmern sehr viel Detailwissen zum Thema Borkenkäfer und anderen Schädlingen vermitteln. Ein weiterer Ausbildungsschwerpunkt war das Medium Hubschrauber. Kamerad Neubert hatte dankenswerter Weise seinen Hubschrauber zu günstigen Konditionen bereitgestellt.  Bei Übungsflügen – unter anderem in den Bergen bei schlechten Wetterbedingungen – konnten die Vorteile eines „Drehflüglers“ hautnah miterlebt werden. Bei dieser Gelegenheit wurde auch erstmals ein Headset erprobt, mit welchem Flug- und BOS-Funk gleichzeitig abgewickelt werden können. Neubert ist z.Zt mit einer namhaften Herstellerfirma  dabei, dieses Headset zur Serienreife zu entwickeln. Der Einsatz ist beim  nächsten Stützpunktleiter-Lehrgang  geplant.
Mit dem Dank an alle FBL und StPL für die Mitarbeit bei der Aus- und Weiterbildung und dem Wunsch für eine unfallfreie Flugsaison, schloß Christian Simbeck seine Ausführungen.

Einsatz: Berichte vollständig, zeitnah und leserlich übermitteln
Eine große Bitte hatte der Referatsleiter Einsatz, Karl Herrmann jr., an die Versammlung: Die zeitnahe und leserliche Übermittlung von Einsatzberichten und Änderungen im Personal- und Flugzeugpark. Diese sei für die Auswertung, Weiterverarbeitung und die Aktualität der Alarmpläne unbedingt notwendig. Er erinnerte nochmals daran, auch bei „nicht angeordneten Flügen“ Berichte über besondere Vorkommnisse zu  erstellen. Die Einsatzstatistik 2005 lag den Flugbewreitschaften bereits im Dezember vor und ist auch im Internet abrufbar.
 „Einsatzstatistik 2005“


Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Power-Point-Präsentation über die LRSt
Bedingt durch die Teilnahme an einer Fluglehrer-Fortbildung war der Referatsleiter Presse-und Öffentlichkeitsarbeit, Alfred Neubert, an der Teilnahme verhindert und ließ sich entschuldigen.
Über den Landespressedienst wurden die Einsatzzahlen der LRSt für das Jahr 2005 bayernweit an die Redaktionen verteilt, welche diese in den überregionalen Mantelteilen der Zeitungen veröffentlicht haben. Bei der überörtlichen Standortausbildung der Flugbereitschaft Oberpfalz war das Lokal-Fernsehen „Oberpfalz-TV“, sowie auch die überregionale Presse vor Ort. In dem TV-Kurzbericht, wie auch in der Presse, wurde die Arbeit der LRSt hervorragend dargestellt. Die Abfassung einer kurzen Pressemitteilung, welche zusammen mit der Einladung an die Medien gegangen war, ist ein sehr gutes „Werkzeug“, die Berichterstattung auf Themen zu lenken, welche der für ihre  Selbstdarstellung wichtig sind. Neubert empfahl diese Vorgehensweise und stellt bei Bedarf gerne „Rumpf-Vorlagen“ für derartige Pressemitteilungen zur Verfügung. Die „Power-Point-Präsentation“ zur individuellen Weiterbearbeitung durch die Stützpunkte und Flugbereitschaften ist – bis auf einige fehlende Bilder in geeigneter Qualität – fertig gestellt. Die „Muster-CD´“s sollen beim Lehrgang in Geretsried verteilt werden. RL Neubert benötigt dringend noch gutes Bildmaterial zu den Themen Lawinenschutz, Vermisstensuche (Flugzeuge), Luftbildarchäologie für die Fertigstellung der CD.
Seinen Schwerpunkt in der Öffentlichkeitsarbeit sieht Neubert in der bayernweiten und überregionalen Berichterstattung über die LRSt. Natürlich ist die lokale Berichterstattung  ebenso wichtig und er ist hier auf die Mithilfe der einzelnen Stützpunkte angewiesen. Hier  steht er bei Bedarf selbstverständlich gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.  


Finanzen: Alles im grünen Bereich
„Finanzminster“ Dr. Fritz Gerfetz, mit 38 Dienstjahren in der LRSt, betrachtet seinen Aufgabenbereich als „Lebensaufgabe“. Der detaillierte Finanzbericht 2005, der Haushalts-plan 2006 sowie die Ausführungen zu Reisekosten und Spendenbescheinigungen trugen – wie immer – die Handschrift eines Experten in Sachen Rechnungswesen der LRSt. Es war deshalb auch nur logische Konsequenz, dass die Kassenprüfer Dieter Naber und Bernd Große eine einwandfreie und vorbildliche Kassenführung ohne jegliche Beanstandung konstatierten. Die einstimmige Entlastung des Schatzmeisters und der Vorstandschaft war somit reine Formsache. Präsident Karl Herrmann dankte dem Schatzmeister, den Kassenprüfern, den Mitgliedern des Präsidiums und der Versammlung für die Entlastung der Vorstandschaft und die hervorragende Zusammenarbeit.


2007: Jahreshauptversammlung in Weiden
Unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges“ ging Präsident Herrmann kurz auf den Stand der Einführung des Digitalfunks im Katastrophenschutz ein. Nach bisheriger Planung ist die Umstellung frühestens ab 2007 zu erwarten. Als erster Bereich soll Südbayern umgestellt werden. Bis zur Einführung, welche von den jeweiligen Kreisverwaltungsbehörden selbst festgelegt wird, bleibt der bisherige analoge BOS-Funk bestehen.
Beim StP Fürth-Seckendorf bahnt sich evtl. ein Problem an, welches die Einsatzbereitschaft  in Frage stellen könnte. Der Präsident regte hier eine Klärung in der Flugbereitschaft und im Verein an.
Der StP Augsburg will den Antrag auf Einsatz von Ultraleichtflugzeugen stellen, welche bisher mit Präsidiumsbeschluss als Einsatzflugzeuge ausgeschlossen waren.
Mit der Ausrichtung der nächsten JHV in 2007 wurde der StP Weiden/Opf. beauftragt, nachdem sich StPL Raimund Rodler und FBL Dieter Naber bereit erklärt hatten, diese Aufgabe zu übernehmen.
Mit dem Dank für die gute Zusammenarbeit, dem Wunsch an eine unfallfreie Flugsaison und einen guten Nachhauseweg schloss Präsident Karl Herrmann die Versammlung.

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