20 Erdumrundungen im Dienst von Mensch und Natur

Trotz der geringen Zahl von angeordneten Einsätzen im Jahr 2016 waren die Piloten der Luftrettungsstaffel mit offenen Augen auf allen ihren Flügen unterwegs. Mit einer Gesamtflugzeit von über 5000 Stunden wurde dabei eine Strecke zurückgelegt, mit der man über 20 Erdumrundungen hätte durchführen können! Kosten für den Freistaat Bayern sind dabei keine entstanden. Schwerpunkt bei den Meldungen der Piloten war neben einem Waldbrand und mehreren Flächenbränden die Übermittlungen von Verkehrsbeobachtungen und -störungen.

Leider traten bei diesen Flügen – ohne Luftbeobachter und BOS-Funkausstattung – wiederholt Kommunikationsprobleme auf, wenn es um die Kontaktaufnahme per Flugfunk mit den Leitstellen ging. Vor Jahren haben die bayerischen Rettungsleitstellen Flugfunkgeräte erhalten, um Luftfahrzeugen ohne BOS-Funk (z.B. private Rettungsdienste und natürlich auch die Einsatzpiloten der Staffel, wenn sie ohne LBO unterwegs sind, oder bei Ausfall des BOS-Funks) den direkten Funkkontakt zu den Leitstellen auf einer eigens dafür reservierten Flugfunkfrequenz (129,9) zu ermöglichen. Im Verlauf der letzten Jahre, mit entsprechend hohen Einsatz- und Beobachtungszeiten, mussten unsere Einsatzpiloten feststellen, dass bei vielen Leitstellen die Geräte abgeschaltet sind und nicht mehr mitgehört werden. Dadurch war eine direkte Kontaktaufnahme leider ausgeschlossen. In manchen Fällen halfen nicht angesprochene Leitstellen die ihr Flugfunkgerät eingeschaltet hatten aus. Sie kontaktierten die benötigte Leitstelle per Telefon und forderten diese auf, ihr Flugfunkgerät einzuschalten! In den meisten Fällen musste der Kontakt mit einer Leitstelle allerdings über den Fluginformationsdienst, der als Relais diente, umständlich hergestellt werden. Trotzdem, herzlichen Dank an alle Flugsicherheitsstellen, die unsere Arbeit unterstützt haben. Andere Leitstellen haben auf  Nachfrage erklärt, dass sie mit der flächendeckenden Einführung des Digitalfunks beabsichtigen, die Flugfunkgeräte nicht mehr zu betreiben.

Eine solche Entscheidung wäre für uns nicht nachvollziehbar und zeigt, dass seitens der Leitstellen ein entsprechendes Hintergrundwissen fehlt, denn BOS-Digitalfunk und Flugfunk zwei völlig verschiedene Welten. Kein BOS-Digitalfunkgerät wäre in der Lage, die Leitstelle auf der Flugfunkfrequenz anzurufen. Eine Kontaktaufnahme ist ausschließlich auf den zugelassenen und freigeschalteten BOS-Kanälen möglich.

Kein Einsatzpilot der Luftrettungsstaffel hat allerdings auf seinen freiwilligen Überwachungsflügen (Flüge ohne Luftbeobachter) ein BOS-Digitalfunkgerät zur Verfügung. Er ist also zur Kontaktaufnahme mit der Leitstelle ausschließlich auf seinen Flugfunk angewiesen. Die Einstellung der Flugfunkbetreuung bei den Leitstellen wäre daher ein großer Rückschritt und würde auf Kosten der Kommunikationssicherheit gehen.


Bei einem Treffen mit Staatssekretär Gerhard Eck vom Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr im Büro der Luftrettungsstaffel Bayern auf dem Flugplatz Giebelstadt, stellte LRSt-Präsident Karl Herrmann die Situation dar und bat um dringende Unterstützung durch das Ministerium Angesichts der Bedeutung einer schnellen, direkten Kommunikation mit den Leitstellen, sagte Staatssekretär Eck seine Unterstützung zu und will sich für den Weiterbetrieb der Flugfunkgeräte bei den Leitstellen einsetzen.