Gunzenhausen – ein neuer Stützpunkt für die Luftrettungsstaffel

Die Flugsportvereinigung „Gelbe Bürg e.V.“ gehört seit Jahresbeginn mit ihrem Flugplatz Gunzenhausen-Reutberg zur Luftrettungsstaffel Bayern. Neben Weißenburg ist dies  der  zweite Stützpunkt im Landkreis Gunzenhausen/Weißenburg. Er konnte etabliert werden, nachdem die Stützpunkte Fürth-Seckendorf und Herzogenaurach wegen strukturellen Veränderungen in den Vereinen aus der Staffel ausgeschieden sind. Als fünfter Stützpunkt für Mittelfranken wurde er am 9. April 2016 feierlich in Dienst gestellt.

Präsidenten Karl Herrmann überreichte der  Stützpunktleiterin Angela Baumgartner das LRSt-Wappenschild für den neuen Stützpunkt Gunzenhausen.

Die Festrede bei dieser  festlichen Veranstaltung hielt der  bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Er sieht die Hauptaufgabe der Luftrettungsstaffel angesichts der großen Waldfläche in Bayern im frühzeitigen Entdecken von Waldbränden. „Dafür ist vor allem für die vorbeugende Waldbrandbekämpfung wichtig. Seit Jahren bilden dabei Behörden, Luftbeobachter und Luftrettungsstaffel Bayern ein eingespieltes Team. Wird nach dem Waldbrand-Gefahrenindex des Deut­schen Wetterdienstes an Wochenenden die Gefährdungsstufe 4 oder wochen­tags die Stufe 5 erreicht, so ordnet die Regierung von Mittelfranken in Abspra­che mit dem zuständigen Förster ent­sprechende Beobachtungsflüge an. Werden dabei vom Beobachtungsteam unkon­trollierte Feuer im Wald entdeckt, so kann über den behördlichen Funk die jeweils zuständige Feuerwehr alarmiert und an den Brandherd gelotst werden. Der Dank von Innenminister Joachim Herrmann galt der Luftrettungsstaffel Bayern, dem neuen Stützpunkt und allen Ehrenamtlichen, die sich im Katastrophenschutz engagieren. Getreu dem Motto: "Man schützt nur, was man schätzt, man schätzt nur was man kennt" werden hier in Mittelfranken die Einsatzpiloten und Luftbeobachter speziell geschult und gezielt auch auf den Naturschutz trainiert. Flug­bereitschaftsleiter Fritz Frenzel legt seit über 30 Jahren bei der Weiterbildung darauf erfolgreich größten Wert. Ein herz­liches Dankeschön dafür!

Es freut mich sehr, dass sich die Flug­sportvereinigung „Gelbe Bürg“ e. V. für den Beitritt zur Luftrettungsstaffel Bayern entschieden hat und nun der Flugplatz Gunzenhausen-Reutberg den neuen Stützpunkt beheimatet. Aktuell stehen hier 2 Motormaschi­nen, die beide für den digitalen BOS-Funk vorgerüstet sind, zur Verfügung“, so Staatsminister Herrmann.

Schon jetzt hatte in Oberbayern die Waldbrandgefahr mit Stufe fünf, der  höchst möglichen Warnstufe, den Einsatz der Luftrettungsstaffel notwendig gemacht. Bei diesen Flügen konnten bereits erste Flächen- und Waldbrände lokalisiert werden, betonte der Präsident der Luftrettungsstaffel Karl Herrmann. Er führte aus, dass die Piloten, gemeinsam mit den Luftbeobachtern, ein hervorragendes Team bilden und nahezu „unschlagbar“ seien. „Die „Schlagkraft“ der Beobachtungsteams  werde durch die neue digitale BOS-Funkausrüstung nochmals verstärkt. Nachdem alle Einsatzkräfte, egal ob in der Luft oder auf dem Boden, dasselbe Netz nutzen, können diese besser in Kontakt bleiben“, lobte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann die neue digitale Funktechnologie. Er übergab im Rahmen der Aufnahmezeremonie die speziell ausgestatteten Funkkoffer an die Vertreter der mittelfränkischen Luftbeobachter. Durch die Technik sei nun eine Kommunikation auf Handyniveau möglich; zudem würden Hintergrundgeräusche ausgeblendet, was im Flugzeug sehr wichtig sei. Zusätzlich arbeiten die Luftbeobachter mit speziellen Kopfhörern, die ihnen sowohl die Kommunikation mit dem Piloten als auch mit den Einsatzkräften ermöglichen, deren Position jetzt ebenfalls sofort durch das GPS-System geortet werden könne. Außerdem würden zum Digitalfunk weniger Funkmasten benötigt, als dies bisher für den  analogen BOS-Funk der Fall war. Innenminister Herrmann zeigte sich besonders deshalb über die bundesweite Einführung des Digitalfunks erfreut, weil sich diese aufgrund verschiedenster Bedenken erheblich verzögert hatte. „Mit der digitalen Ausrüstung der K-Organisationen gehe man nunmehr einen sehr, sehr guten Weg, betonte Herrmann.

Modernste Funktechnologie für die bayerischen Luftbeobachter! Innenminister Joachim Herrmann überreichte die von der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg eingerichteten Funkkoffer stellvertretend für die mittelfränkischen Luftbeobachter an die neue Stützpunktleiterin und den Vereinsvorsitzenden von Gunzenhausen. Auf unserem Bild (v.l.) Reiner Stark (Vorsitzender), Angela Baumgartner (Stützpunktleiterin) Staatsminister Joachim Herrmann, LRSt-Präsident Karl Herrmann und Dr. Roland Demke (Leiter der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg).

Mit guten Kommunikationsmitteln allein ist es aber noch lange nicht getan. Alle Anwesenden waren sich darin einig, wie unverzichtbar der Einsatz ehrenamtlich tätiger Piloten und Luftbeobachter sei. Hier besitzt Bayern ein bundesweit einmaliges Modell. Insgesamt sind bayernweit 450 000 ehrenamtliche Rettungskräfte einsatzbereit. Knapp 300 von ihnen engagieren sich als Piloten für die Luftrettungsstaffel. Vorsitzender Rainer Stark, Flugsportvereinigung Gunzenhausen,  unterstrich, dass sowohl die Piloten als auch der Flugplatz strenge Sicherheitsauflagen erfüllen müssen. Gerade den Gesichtspunkt der Flugplatzsicherheit und die dafür notwendigen Maßnahmen hob Bürgermeister Karl-Heinz Fitz hervor. Nachdem er lange für den Erhalt des Flugplatzes gekämpft worden war, sei die Aufnahme in die Luftrettungsstaffel ein Beweis, dass der Kampf die „richtige Entscheidung“ der Stadt war. Landrat Gerhard Wägemann hob hervor, wie wichtig solche Luftbeobachtungsstützpunkte vor Ort seien. Gerade hier im Landkreis könne man nicht nur Waldbrände bekämpfen und andere großflächige Katastrophen vermeiden, sondern, wie durch die Luftrettungsstaffel in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, z.B. auch archäologische Bodendenkmäler aus der Luft entdecken.

Die von Stützpunktleiterin Baumgartner und Vereinsvorstand Stark mit ihren fleißigen Helfern hervorragend vorbereitete Festveranstaltung, die mit einer Einladung zu Fränkischen Bratwürsten, Kaffee und Kuchen endete,  wurde vom Posaunenchor Oberasbach unter der Leitung von B. Volkert feierlich umrahmt.